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Fahrradtour I - Neustadt - Gimmeldingen
 Bei herrlichem Frühlingswetter holen wir heute Morgen unsere Fahrräder aus dem zur Wohnung gehörenden Abstellraum heraus und starten zu unserer ersten Fahrradtour durch die Pfalz.

Nicht nur die Mandelbäume blühen zu dieser Zeit an der Deutschen Weinstraße. In einer kleinen Seitenstraße steht ein blühender Baum hinter einer markanten roten Straßenlaterne und bildet ein schönes Fotomotiv. Aufgrund des schlanken und aufrechten Wuchses sowie der dichten weißen Blüte bereits im März könnte es sich um eine „Chinesische Wildbirne“ handeln. Die rote Laterne gehört zur Stadtgestaltung in Edenkoben. Diese alten Modelle werden heute auf energiesparende LED-Technik umgerüstet.
Unseren ersten Fotostopp machen wir an einem Flurkreuz. Es steht am Übergang von den Wohngebieten in die Weinberge, in der Nähe der Mühlenstraße/Ortsrand von Maikammer. In Maikammer gibt es zahlreiche historische Bildstöcke und Flurkreuze, insbesondere in den Weinbergen und an den historischen Straßen des Ortes. Flurkreuze und Bildstöcke dienen traditionell als Ausdruck des katholischen Glaubens, als Wegmarken oder als Orte der Andacht bei Prozessionen.
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Wir fahren weiter und blicken auf den Ort Maikammer, ein malerischer Wein- und Erholungsort an der Südlichen Weinstraße. Der Ort ist von ausgedehnten Weinbergen umgeben, die zu Spaziergängen oder Fahrradtouren einladen.
Beim Radeln entlang der Weinreben kommen wir zu einem schön gestalteten Rastplatz zwischen Edenkoben und Maikammer. Ein rustikaler Picknickplatz aus Stein mit passenden Bänken im Freien, geeignet für eine Mahlzeit in der Natur. Für uns kam dieser Platz für ein zweites Frühstück etwas zu früh.
Wir treten erst einmal weiter in die Pedale bis nach Alsterweiler, einem Ortsteil von Maikammer. Im Ort schieben wir unsere Fahrräder, damit wir nicht an den Sehenswürdigkeiten vorbeirauschen.
Sehenswert in der Ortsmitte ist die Maria-Schmerzen-Kapelle. Sie wurde 1845 auf Initiative der Bürger im Saalbaustil errichtet. Umfangreiche Renovierungsarbeiten wurden 1968 und 1980 getätigt. Die schneeweiße Kapelle steht heute unter Denkmalschutz. Im Kircheninneren findet man gotische Tafelmalereien sowie den spätgotischen „Maikammer Altar“ aus dem Jahr 1445.
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 Weiter geht unsere Fahrt durch malerische Weinberge, bis wir vor dem aus graugelben Sandstein gefertigtem Flurkreuz im unteren Grund der Gemeinde Maikammer stehen.
Es wurde 1897 errichtet und steht vor einer Birke in einer kleinen Anlage mit einer Bank.
Das Flurkreuz trägt ein typisches Viernagel-Kruzifix. An der Spitze des Kreuzes befindet sich das vergoldete Monogramm INRI auf einer von unten her eingerollten Schriftrolle.
Unser Weg führt weiter durch die Weinberge. An einem historischen Bildstock, der sich oft an Wegen befindet, machen wir eine kurze Pause. Der Bildstock wurde im Jahr 1894 von Sebastian Christmann errichtet und im Jahr 1950 von G. Christmann erneuert. Solche Denkmäler dienten früher als Orte des stillen Gebets.
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Nun fahren wir durch den Stadtteil Hambach an der Weinstraße. Zentral im idyllischen Ortskern liegt das historische Rathaus. Es ist ein denkmalgeschützter zweigeschossiger Barockbau von 1739, mit einer markanten Giebelseite und Muschelnischen mit den barocken Figuren – Heiliger Joseph und Heiliger Nepomuk.
Wir drehen eine Runde durch den Ort mit unseren Fahrrädern. Die drei ursprünglichen Ortsbereiche Ober-, Mittel- und Unterhambach sind nach ihrer Höhenlage benannt und bereits vor geraumer Zeit zusammengewachsen. Umgeben von einem Rebengürtel gibt es in dem Ort auch über 20 alte und typische Weingüter in den engen Gassen. Zusätzlich zu den Weingütern bieten viele eine Vinothek, die oft gehobene Qualitätsweine anbieten und diese durch Verkostungsmöglichkeiten, fachkundige Beratung und häufig ein kleines gastronomisches Angebot erlebbar machen. So verbinden sie Verkauf mit Genuss.
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Hambach gilt als Wiege der deutschen Demokratie, weil 1832 auf dem an exponierter Stelle über dem Ort gelegene Hambacher Schloss eine große Freiheitskundgebung – das Hambacher Fest -stattfand. Dadurch erlangte der Ort überregionale Bekanntheit und ging in die Geschichtsbücher ein. Die 1982 wieder aufgebaute Schlossruine ist bis heute ein Anziehungspunkt für Staatsoberhäupter und Besucher aus dem In- und Ausland. Das Schloss ist auch eine Tagungs- und Veranstaltungsstätte mit Restaurant und natürlich einem Museum zum Hambacher Fest 1832.
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Wir setzen unsere Fahrradtour in Richtung Neustadt-Mußbach fort. Das Winzerdorf ist ein Ortsteil von Neustadt. Er liegt im rebenbestandenen Hügelland an der Deutschen Weinstraße auf etwa 145 Meter Höhe. Der Ortsname stammt vom knapp 12 km langen Mußbach, der durch den Ort fließt. Mußbach ist ein liebevoll geprägtes Weindorf. Hier befindet sich die „Weinbiet Manufaktur“, eine Winzergenossenschaft mit rund 50 angeschlossenen Winzern. Die Weinberge befinden sich am Fuße des 554 Meter hohen Weinbiets. Bekannte Lagen sind Eselshaut und Meerspinne.
Im Ortskern des Winzerdorfes liegt die alte St.-Johannes-Kirche. Die Kirche samt Turm wurde im 14. Jahrhundert von der Ordensgemeinschaft der Johanniter errichtet und dem Patron des Ordens, Johannes dem Täufer, geweiht. Die Kirche, in üblicher Form nach Osten zeigend, besteht aus Chor, Schiff und einem 36 m hohen Turm mit Uhr, deren vier Zifferblätter nach den Himmelsrichtungen zeigen.
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Das historische Rathaus von Mußbach ist ein bemerkenswertes Beispiel für die Fachwerkarchitektur des 16. Jahrhunderts. Der teilweise renovierte Fachwerkbau steht im Ortskern und prägt den historischen Ortskern maßgeblich. Das frühere Rathaus, heute Sitz der Ortsverwaltung zusammen mit dem dortigen Brunnen – der bei unserem Besuch als Osterbrunnen dekoriert war - bildet ein malerisches Ensemble. Es ist ein Teil der lebendigen Geschichte des Weindorfs und ein beliebtes Fotomotiv.

Nach dieser Stadtbesichtigung setzen wir unsere Fahrradtour fort, die uns immer wieder an den verschiedensten Winzerhäusern vorbei führt, die an ihren Fassaden einen Weinstock angebracht haben, der das für diese Region typische Thema unterstreicht.
Oft bestehen die Mauern aus grob behauenem Naturstein, was auf ein älteres Gebäude hindeutet. An einem dieser Häuser finden wir ein historisches Wirtshausschild. Es handelt sich um einen kunstvollen Ausleger, auch Galgen genannt, der typisch für historische Gasthöfe oder alte Handwerkerhäuser ist.
Vom Radweg haben wir einen wunderschönen Blick in einen idyllisch gestalteten Innenhof mit Mandelbaumallee. Es ist der Loblocher Hof, ein 1841 erbautes Weingut im malerischen Winzerdorf Gimmeldingen, am Rande des Pfälzer Waldes. Wein wird in den alten Gemäuern aber schon lange nicht mehr verarbeitet: Mehr als 50 Jahre wurden die Räume als Lager und Werkstätte genutzt, dann haben die heutigen Besitzer den Hof erworben und aufwendig saniert.
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Die Gebäude wurden in den ursprünglichen Zustand zurückversetzt, dabei jedoch so umgestaltet, dass eine zeitgemäße Nutzung möglich wurde. In den Nebengebäuden sind fünf Ferienwohnungen entstanden. Zu jedem Apartment gehört entweder eine eigene Terrasse oder ein reservierter Sitzplatz im Hof.
Eingebettet in Bäume und Weinberge liegt die neu renovierte Nikolaus Kapelle. Ein Kleinod an der Weinstraße, 1366 zum ersten Mal urkundlich erwähnt, ist seit 1957 wieder ein Haus Gottes. Wenn Steine reden könnten, dann hätte die katholische Kirche im Gimmeldinger Ortsteil Lobloch viel zu erzählen. Um das Gotteshaus herum befand sich früher ein kleiner Friedhof. Im Süden, wo das Gelände zur Loblocher Straße hin seit Jahrhunderten terrassenartig aufgefüllt ist, wurde Mitte der 1950er Jahre die sehr schadhafte Stützmauer aus grob behauenen Feldsteinen durch eine Mauer aus quaderförmig gearbeiteten hellem Sandstein ersetzt, an der wie nun entlang fahren.
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Auf unserem Weg, gleich unterhalb der Kapelle, steht der 2000 eingeweihte „Gliggerles-Brunnen“. Auf dem großen Sandsteintrog kauert ein mit Murmeln spielender Junge – ein Kunstwerk des Bildhauers Bernhard Mathäss aus Duttweiler, der seinen sechsjährigen Sohn als Modell wählte. Es ist ein wunderschönes, an unsere Kindheit erinnerndes Motiv. Früher, als es noch keine Wasserleitungen gab, spielten Brunnen eine große Rolle – zum Trinken, Kochen, Waschen und auch Kinder spielten liebend gerne mit Wasser. Der Brunnen plätschert dank Solaranlage bei Sonnenschein.
 Nun kommen wir in den historischen Ortskern von Gimmeldingen. Das Alte Rathaus liegt zentral am Dorfplatz und bietet mit dem Alten Pfarrhaus und der St. Laurentiuskirche sowie dem Winzer eine schöne sogleich romantische Kulisse.
Es liegt im Zentrum des Weinortes, der besonders für das jährliche Mandelblütenfest bekannt ist. Heute sind in dem alten Gebäude der Kindergarten und die Ortsverwaltung untergebracht. Der Osterbrunnen vor dem historischen Rathaus in Gimmeldingen ist ein liebevoll gepflegtes, traditionelles Schmuckstück zur Osterzeit.
Der Brunnen wird ehrenamtlich mit vielen bemalten Ostereiern und frischem Grün geschmückt. Er ist ein beliebter Blickfang im Ortskern und Teil der Frühlingslandschaft an der Weinstraße. Besonders zur Mandelblüte ist der geschmückte Brunnen ein schönes Fotomotiv für Ausflügler.
Nun radeln wir weiter zum Kirchplatz. Hier steht die ev. St. Laurentius-Kirche. Die Kirche stammt zu großen Teilen noch aus romanischer Zeit, die sich von ca. 950 bis 1250 erstreckt. So auch der schlichte Turm mit seinen typischen doppelten Schallarkaden. Der Turm wurde ursprünglich nicht zum Herbeiläuten der Gläubigen errichtet, sondern diente zur rechtzeitigen Allarmierung der Bewohner vor äußeren Feinden oder dem größten damaligen Feind, dem Feuer.
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Neben der verschlossenen Kirchentür steht seit Dezember 2007 eine außergewöhnliche Figurengruppe. Sie stellt den Gimmeldinger Laurentius dar, der mit dem Ort fest verbunden ist. So findet am 10. August der Laurentiustag statt und das älteste Gimmeldinger Ortswappen trägt neben dem Pfälzer Löwen das Marterinstrument des Laurentius, den Rost, auf dem er durch Feuer zu Tode gefoltert wurde. Die Kirchengemeinde hatte dem bolivianischen Künstler den Auftrag erteilt, diese Bildplastik zu schaffen.
Von hier geht es zum Mandel-Lehrpfad. Es war in Gimmeldingen, wo man begann, die Mandelbäume auch wegen ihrer herrlichen Blüten zu pflanzen. Sie entfalten sich, noch bevor die ersten Blätter sprießen, und so ist jeder Baum ein reines Blütenmeer – und das meist schon vor Frühlingsbeginn!
Es ist ein blühendes Band entlang des Weges, das sich durch die hügelige Landschaft zieht. Rund um Gimmeldingen stehen mehr als 2.500 Mandelbäume, die zur Blütezeit Tausende von Besuchern anlocken. Sie kommen nicht nur zum Mandelblütenfest, sondern gern an den Tagen vor und nach dem Fest, wo sie nach den langen Wintermonaten den sehnsüchtig erwarteten Frühling in Gimmeldingen erleben und das auch im Ort, denn die engen Straßen sind von unzähligen Mandelbäumchen gesäumt.
Da auch Gimmeldingen am vergangenen Wochenende das Mandelblütenfest hatte und die Ausschankstellen und kulinarischen Angebote noch bis zum 26.03.26 geöffnet sein durften, gönnen wir uns am Germanenspieß ein leckeres Mittagessen und dazu eine Weinschorle vom Weingut Estelmann.
Gut gestärkt setzen wir danach unsere Fahrradtour fort, die uns zurück nach Neustadt führt. In Winzingen, einem Stadtteil von Neustadt, stehen wir vor der ehemaligen Josefs-Kirche. Sie wurde aus einheimischem Bruchsandstein erbaut. Mit ihrem 28 Meter hohen Turm ist sie ein markantes Gebäude in dem Stadtteil. Am 24. September 1933 wurde sie von Bischof Dr. Ludwig Sebastian geweiht und am 22. November 2025 von Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann profaniert. Diese einschneidende Maßnahme erfolgte im Hinblick auf die stark zurückgehende Zahl der Kirchenmitglieder und die damit wegfallenden Einnahmen aus der Kirchensteuer.
Hier am Rand des Pfälzerwaldes heißt die Bergkette „Hardt“ und parallel dazu verläuft die Deutsche Weinstraße und so sind wir schnell wieder mittendrin – in den Weinbergen und dem zartrosa Blütenmeer am Wegesrand.
Auf dem Radweg bei Diedesfeld machen wir eine letzte Pause an einem idyllischen Plätzchen, inmitten einer traumhaften Blütenpracht. Die Bank bietet weiterhin einen wunderschönen Ausblick über das Rebenmeer. Diedesfeld ist eines von 9 Weindörfern, die zum Stadtgebiet von Neustadt zählen. All diese Dörfer haben ihren ländlichen Charakter bewahrt. Der Wein, der schon seit Römerzeiten dort angebaut wird, prägt entschieden das Leben der Bewohner. Doch im März verwandeln die Mandelbäume die Weinberge in ein malerisches, rosa-weißes Blütenmeer.
Zwischen Diedesfeld und Maikammer verläuft der Radweg parallel zu den Reben und bietet einen direkten und wunderschönen Blick zu die goldgelb strahlende Wiege der deutschen Demokratie, dass „Hambacher Schloss“.
Nun heißt es noch einmal kräftig in die Pedalen treten und dann haben wir unsere Ferienwohnung in Edenkoben, nach einem schönen Ausflug, wieder erreicht.
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