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Heimreise und Halt in Oberwesel
Der Regen in der Nacht hatte sich heute Morgen verzogen und so konnten wir im Trocknen unser Auto für die Heimreise packen. Wie schon 2022 ging unsere Rückfahrt am Rhein entlang.
Wehrhaft thront die Burg Pfalzgrafenstein bei Kaub seit ihrer Erbauung 1327 auf einem Felsenriff mitten im Bacharacher Engtal, dort wo der Rhein seit dem 15. Jahrhundert auch „Wildes Gefähr“ oder „Wilde Fahrt“ heißt. Als Wachstation sicherte sie den Kauber Zoll – eine ertragreiche Einkommensquelle. Pfalzgrafenstein gehört zu den wenigen unzerstörten und kaum veränderten Burgen im Oberen Mittelrheintal. Seit dem Nutzungsende ist die Burg ein touristisches Objekt und ist nur von Kaub aus mit der Personenfähre zwecks Besichtigung erreichbar.
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Haben wir im Jahre 2022 einen Stopp in Boppard gemacht, so wollen wir uns heute einmal Oberwesel ansehen. Die Stadt liegt linksrheinisch im oberen Mittelrheintal. Mit unseren sperrigen Fahrrädern auf der Deichsel fanden wir am Bahnhof von Oberwesel genügend Platz für unseren PKW, um ihn für den Vormittag abzustellen.
Die Liebfrauenkirche in Oberwesel liegt erhöht, direkt am Hang, oberhalb des Bahndamms und des Bahnhofs. Mit ihrem Bau wurde 1308 begonnen. 1331 wurde sie geweiht und 1375 fertiggestellt. Es ist ein verputzter, rot gestrichener Bruchsteinbau – deshalb wird sie auch „rote Kirche genannt. Der Westturm entwickelte sich ohne eigenen Unterbau aus dem Mittelschiff. Von ihrer Architektur und Ausstattung her zählt sie zu den bedeutendsten gotischen Kirchen im Rheinland. Seit 2002 ist die Liebfrauenkirche Teil des UNESCO-Welterbes Oberes Mittelrheintal.
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Die Liebfrauenkirche öffnet für Besucher die Türen und so lassen wir uns von ihrer Geschichte und Schönheit verzaubern. Vorbei an beeindruckenden Säulen geht unser Blick zum filigranen Lettner. Er markiert die Grenze zwischen dem heiligen Chorraum und dem 38 Meter hohen Kirchenschiff für die Gemeinde. Nicht zu übersehen ist das Juwel der Kirche – der Goldaltar. Er gehört zu den bedeutendsten Kunstwerken am Mittelrhein.

Neben dem Hochaltar besitzt sie noch sechs Flügelaltäre, Steinreliefs und Holzplastiken. In den Pfeilern sind Fresken, die Bilder aus der Bibel wiedergeben oder Heilige darstellen. Der Reichtum an Kunstwerken im Innenraum der Kirche lässt sich darauf zurückführen, dass die Liebfrauenkirche sowie die romanische Vorgängerkirche einem wohlhabenden Stift angehörten. Die herrliche Barockorgel mit 56 Registern lädt zu regelmäßigen Orgelkonzerten ein.

Maler und Poeten faszinierte schon immer das Stadtbild von Oberwesel, das geprägt ist von der Stadtmauer mit ihren Toren und Türmen.
Nach der Kirchenbesichtigung beginnen wir unseren Rundgang am Haagturm, auch Roter Turm genannt. Er ist ein markanter, historischer Rundturm, der im 13. Jahrhundert erbaut wurde. Früher war er Teil der Wehranlage und fungierte als Eckbastion.
Nach der Restaurierung durch den viktorianischen Maler Carl Haag im 19. Jahrhundert wurde er später von der Familie Höhn als Wohn- und Kunstgalerie genutzt.
Er gilt neben dem Ochsenturm als einer der repräsentativen Türme der Stadtbefestigung.
Das Portal der Katherinenkapelle liegt etwas versteckt und von außen eher unauffällig an der Wand eines alten Gebäudes. Wenn man sich nicht vorher darüber informiert hat, geht man schnell daran vorbei. Die Katharinenkapelle aus dem 14. Jahrhundert war die Hofkapelle eines größeren Wirtschaftshofes, den das Zisterzienserkloster Ebetbach im Rheingau in Oberwesel unterhielt. Vom Hof aus wurden die Eberbacher Weinberge und Äcker bewirtschaftet.
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Der Innenraum ist schlicht mit weiß verputzten Bruchsteinwänden gehalten. Der Kapellenraum ist durch einen Chorbogen in einen Versammlungsraum und einen Chorraum gegliedert. Die Apsis hat ein Kreuzrippengewölbe.
Unser Spaziergang führt uns an einen Innenhof einer alten Schmiede vorbei. Es ist ein uriges kleines Freilichtmuseum, das direkt am Stadtmauerwanderweg liegt. Sie bietet eine Sammlung alter Geräte und Werkzeuge, die früher für das Handwerk genutzt wurden. Eine Schmiede war zentraler Bestandteil dörflicher Gemeinschaften und diente oft als Hufschmiede für Pferde und zur Herstellung landwirtschaftlicher Geräte.
Bevor wir auf die Stadtmauer klettern, kommen wir an einer gemütlichen kleinen Terrasse vorbei, die mit zahlreichen bepflanzten Blumentöpfen geschmückt ist. Zwischen den Töpfen befinden sich, passend zur Vorosterzeit, Oster-Deko-Elemente.
Oberwesel ist berühmt für seine fast vollständig erhaltene Stadtmauer mit ihren Wehrtürmen, auf der wir nun entlang gehen. Seit vielen Jahren wird diese mittelalterliche Befestigung touristisch erschlossen und so können wir über große Teile der Stadtmauer wandern. Der Weg über die Mauer ist ein spannender Spaziergang in die Vergangenheit.
Die Schönburg am Rhein, die wir von der Stadtmauer aus betrachten, liegt oberhalb von Oberwesel und ist eine Höhenburg aus dem 12. Jahrhundert. Der Aufstieg von Oberwesel von der Westseite des Burgbergs in Serpentinen dauert ca. 30 Minuten und ist sehr steil. Heute ist die Burg, die über dem Rheintal thront, zu einem Hotel umgebaut und eine Anfahrt mit Fahrzeugen ist von Oberwesel aus ebenfalls möglich.
Von hier oben haben wir einen wunderschönen Blick auf den Ort mit seinen historischen Fachwerkhäusern am Marktplatz 3-5. Das Gebäude wurde zwischen 1979 und 1981 nach dem Vorbild ursprünglicher Gebäude aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut. Heute befindet sich in diesem historischen Gebäude eine Filiale der Volksbank.
Die Stadtmauer gibt nun einen Blick auf das Hotel und Restaurant „Weinhaus Weiler“ frei. Das Haus wurde vermutlich 1552 erbaut und diente über 350 Jahre lang als Wohnhaus, bevor es 1889 in den Besitz der Familie Weiler überging. Das familiengeführte Hotel bietet heute individuell eingerichtete Zimmer im romantischen Landhausstil sowie ein Restaurant mit Terrasse.
Dieser Teil des historischen Stadtmauerwanderwegs bietet auch einen einzigartigen Blick auf die Landschaft am Rhein mit seinen typischen Bahngleisen, die rechts und links des Rheins entlangführen.
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Wir gehen weiter über die Stadtmauer und vor uns liegt der Hositalturm. Wie der Name bereits vermuten lässt, befand und befindet sich noch heute in der Nähe des Turms ein Krankenhaus (Heilig-Geist-Hospital). Bei dem Hospitalturm handelt es sich um einen Torturm, der den rheinseitigen Ausgang der Hospitalgasse bildete bzw. das breite Hospitaltor schützen sollte. Diese Tordurchfahrt bzw. die Hospitalgasse war zur damaligen Zeit besonders wichtig, da sie vom Rhein bis zur bergseitigen Stadtmauer führt und somit den kürzesten Weg bereitstellte.
Etwas weiter nördlich an der Stadtmauer steht die Mutter-Rosa-Kapelle. Das kleine Bauwerk hat seinen Ursprung als Kapelle eines mittelalterlichen Bürgerhospitals. Es handelt sich um den ehemaligen Chor der Kirche des Heilig-Geist-Hospitals, der bis 2008 als Werner-Kapelle bekannt war. Die historische Mutter-Rosa-Kapelle ist ein gotischer Sakralbau unter dem Patronat der seliggesprochenen Franziskanerin Rosa Flesch.

Die Statue befindet sich hinter einem Gitter in einer Nische. Die Kapelle ist sowohl von der begehbaren Stadtmauer aus zugänglich als auch von dem einstigen Krankenhausgebäude.
Dass wir heute hier entlanggehen können und so einen guten Überblick bekommen, ist dem 1993 gegründeten Bauverein Historische Stadt Oberwesel zu verdanken, so konnten inzwischen große Teile der Mauer und viele Türme gesichert und saniert werden. Bereiche mit Stahlkonstruktionen dienen in erster Linie als sichere Aufstiege und als Stütz- und Sicherungselemente, um den historischen Mauerverlauf für Fußgänger begehbar zu machen.
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Rheinseitig wurde die Stadtbefestigung der nördlichen Vorstadt durch zwei Rundtürme gesichert. Ursprünglich stand an der Stelle, wo heute der Ochsenturm steht, nur ein kleiner Turm. Grund hierfür ist, dass damals zwischen Oberwesel und St. Goar keine Straße verlief, welche der Feind nutzen konnte. Vor allem aus repräsentativen Gründen wurde jedoch schnell der alte kleine Turm durch den imposanten Ochsenturm ersetzt. Mit einem Durchmesser von fast 12 Metern, einer Mauerstärke von 2,75 Metern und einer Höhe von über 40 Metern ist der Ochsenturm einer der stärksten Stadttürme am Rhein und demonstriert somit die Macht der Stadt Oberwesel. Hier verlassen wir die Stadtmauer und gehen durch Oberwesel und weiter über viele Stufen hinauf zur St. Martin Kirche.
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Die katholische St. Martinskirche ist bis auf den Turm verputzt und weiß gestrichen, daher auch im Volksmund auch der Name „weiße Kirche“. Sie erhebt sich am Nordwestrand der Stadt auf deren höchsten Punkt und bestimmt damit eindrucksvoll das Ortsbild. Der mächtige Glockenturm war ursprünglich Teil der Stadtbefestigung. Ursprünglich dreischiffig geplant, wurde nur das Mittelschiff mit dem Chor, der Westturm und das nördliche Seitenschiff errichtet.
Der gewaltige, wehrhafte Westturm bildet, nur wenig hinter der Stadtbefestigung stehend, deren nordwestliche Eckbastion. Er hat einen quadratischen Grundriss und schießschartenartige Fenster nach Westen, die auf eine frühere Wehrfunktion hinweisen. Der Turm wird von einem Zinnenkranz und vier Ecktürmchen bekrönt. Darauf folgt der achteckige Aufbau der Glockenstube.
Wir betreten das Innere der Kirche, die zuletzt 1965/66 restauriert wurde. Pfeiler, Fenstergewände und Rippen sind in hellem, beigefarbenem Sandsteinton mit weißen Fugen gehalten. Sehenswert sind das Chorgestühl aus der Entstehungszeit sowie der barocke Hochaltar von 1682. Ferner die Wandbilder aus dem 16. Jahrhundert und eine Madonna aus der Mitte des 15. Jahrhundert. Im Chorgewölbe ist nach den Restaurierungsarbeiten von 1962 bis 1968 wieder die gotische Ausmalung aus der Erbauungszeit zu sehen. Eine Statue stellt den Heiligen Laurentius aus dem 18. Jahrhundert dar. Er steht auf einem Hochaltar.
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Wir gehen durch das Martinstor und stehen auf einem alten Friedhof, der die St. Martinskirche umgibt. Die Fatimakapelle wurde 1891 als Familiengruft und Gruft -Kapelle auf dem Friedhof von St. Martin errichtet. Sie wurde aus großen gelben und roten Sandsteinen gebaut. Seit 1954 befindet sich die Fatimakapelle im Besitz der Kirchengemeinde. Dem Friedhof ist ein Gemeinschaftskriegsgräberfeld Deutscher Gefallener angegliedert.
Der Blick vom direkten Umfeld der St. Martinskapelle ist eine der markantesten Aussichten der Stadt. Von dieser Hanglage aus blicken wir direkt auf die dichte historische Altstadt mit seinem massiven Westturm und weit über das Obere Mittelrheintal.
Der Stadtmauerweg in Oberwesel ist eine faszinierende, historische Route. Ab der St. Martinskapelle gehen wir außen an der Stadtmauer vorbei und haben gleich einen schönen Blick auf den Michelfeldturm und einem Teil der historischen Stadtmauer. Der Michelfeldturm I wurde nachträglich im Zuge der Nachrüstungsarbeiten um 1240 vor der Stadtmauer angebracht, sodass er über ein eigenes, stabiles Fundament verfügt. Es ist ein fast quadratischer Turm mit 4 Stockwerken. Zwischen 1979 und 1983 wurde der Michelfeldturm I saniert und umgebaut und verfügt heute über Wohnräume.
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Bei dem Kuhhirtenturm handelt es sich um den dritten rechteckigen Schalenturm auf dem Michelfeld. Er liegt im Stadtgraben bzw. in einer Geländesenke und weist als einziger Turm sechs Stockwerke auf, sodass er sich in besonderem Maße als Wachturm eignet. Deshalb wird der Kuhhirtenturm auch als Wächterturm bezeichnet. Der Name des Turmes „Kuhhirtenturm“ soll als Erinnerung dienen, dass die Stadt Oberwesel bis ins 19. Jahrhundert hinein eine Ackerbürgerstadt war. Im sechsten Stock wohnte einst der Kuhhirte, der morgens alle Kühe der Landwirte einsammelte und sie bis zum Abend auf Brachfelder am Stadtrand zum Grasen führte.
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Da der Kuhhirte vom sechsten Stock aus einen guten Überblick über die Stadt hatte, übernahm er auch die Funktion des Brandwächters. Seit 1984 ist der Kuhhirtenturm verpachtet. Der Pächter hat den Kuhhirtenturm zu einem Wohnhaus umgebaut und vollständig saniert. Nach Westen hin verfügt der Kuhhirtenturm heute über eine Zugbrücke, die über den Stadtgraben verläuft, und den Zugang zum Turm bildet.
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Es ist ein wunderschöner Spaziergang, der uns nun zum Pulverturm führt. Der Turm wurde 1241/1242 errichtet und hat als Denkmal eine besondere Bedeutung, weil er als herausragendes Beispiel dient, wie Rundtürme Verteidigungsanlagen verbessern können. Wie der Name bereits andeutet, wurde der Pulverturm vor allem zur Aufbewahrung von Schießpulver verwendet. Zur Lagerung des Schießpulvers wurde nachträglich eine Art Gewölbekeller im Erdgeschoss des Turmes errichtet. Auf dem Michelfeld ist der Pulverturm der einzige Turm, der von der Planung und Durchführung her bereits in die Stadtbefestigung integriert war. Alle anderen Türme am Michelfeld wurden nachträglich an die Stadtmauer angebaut. Heute ist der Pulverturm eine erhaltenswürdige Ruine.
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Langsam geht unsere Stadtmauerwanderung zu Ende, denn wir sehen unter uns schon ganz nah die Dächer von Oberwesel sowie die Liebfrauenkirche.
 Der Rundweg endet auf dem Scharplatz in Oberwesel. Hier steht das Kriegerdenkmal, das im Jahr 1895 eingeweiht wurde und an die Teilnehmer des Deutschen Krieges von 1866 sowie des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 erinnert. Die Figur auf dem Denkmal stellt die Germania dar.
Nach einer Mittagspause im Ort fahren wir gut gestärkt weiter.

Wir werfen einen letzten Blick auf den Ochsenturm von Oberwesel, denn er steht direkt an der Bundesstraße 9. Mit einer Höhe von über 40 Metern, und einer Mauerstärke von 2,75 Metern und einem Durchmesser von fast 12 Metern ist er einer der stärksten Stadttürme.
Das Mittelrheintal ist gespickt an Burgen links und rechts des Rheins. Nur 67 Kilometer lang ist die wohl schönste und romantischste Rheinstrecke. Hoch über dem Rhein mit beeindruckendem Panoramablick ins Tal der Loreley liegt das Hotel Schloss Rheinfels. Es ist mit der Burg Rheinfels zentraler Bestandteil dieses Welterbes und einer der führenden Hotel- und Gastronomiebetriebe in diesem einzigartigen Tal.
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Auf den Bergwipfeln über der Stadt St. Goarshausen, nahe des Loreleyfelsens liegt die Burg Katz. Ursprünglich trug die Burg den Namen Burg Neukatzenelnbogen, der sich mit der Zeit auf Burg Katz verkürzte. Wie die Burg Rheinfels war sie ein Domizil der Grafen von Katzenelnbogen und diente als militärischer Stützpunkt.
In Koblenz fahren wir auf die Autobahn und nach guten 3 Stunden sind wir wieder zu Hause angekommen.
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