|
Bad Dürkheim
Von Edenkoben kann man sehr gut Ausflüge in die nähere Umgebung unternehmen. So haben wir uns heute für einen Besuch von Bad Dürkheim entschlossen. 2022 zur Mandelblüte haben wir hier im Ort bei einem Winzer gewohnt. Der Ort ist immer wieder ein Besuch wert.
Wir stellen unser Auto auf dem großen Parkplatz vor dem Riesenfass ab, der in einem gebührenfreien und einen gebührenpflichtigen Bereich eingeteilt ist. Da wir heute den ganzen Tag in Bad Dürkheim verweilen wollen, lösten wir für 3,00 Euro ein 8-Stunden-Tiket. So hatten wir keinen Zeitdruck und konnten den Tag genießen.
Bereits zum fünften Mal stehen wir heute vor dem Dürkheimer Fass, dem Herzstück der Weinstraße. Es hat bei einem Durchmesser von 13,5 Metern und fast 1,7 Millionen Liter. Es ist damit das größte Fass der Welt. Das Fass wurde 1934 von dem Bad Dürkheimer Weingutsbesitzer und Küfermeister Fritz Keller in traditioneller Herstellungsweise und Form, wenn auch überdimensioniert, aus Holz (200 Tannen, von denen jede rund 40 m hoch war) gebaut. Innen ist es nach Art einer Weinstube gestaltet und eingerichtet. Es kann auf zwei Ebenen (Erdgeschoss und Empore) knapp 430 Gäste aufnehmen.
Wir spazieren durch die kleinen Gassen und stehen danach auf dem Römerplatz. Es ist ein malerischer Platz und Teil der Fußgängerzone, mit bunten Fachwerkhäusern, Restaurants und Weinstuben. Die Mitte des Platzes ziert ein großer Brunnen, der mit den Wappen Bad Dürkheims und seiner fünf Stadtteile eingefasst ist.
Unser Spaziergang führt uns nun zur Stadtpfarrkirche St. Ludwig. Sie wurde zwischen 1828-1829 erbaut und mehrmals renoviert. Der Bau der Kirche hängt zusammen mit der erstmals nach der Reformation erfolgten Wiedereinrichtung einer kath. Pfarrei in Bad Dürkheim.
 |
Das Innere ist modern gestaltet. Ins Auge fällt auf jeden Fall das recht große Altarbild aus den Jahren 1938/39. Der Künstler Paul Thalheimer (1884-1948) fertigte das monumentale Kreuzigungs-Wandbild im Chorraum. Als Hitler-Gegner stellte Thalheimer den Reichskanzler darauf als einen der Verbrecher dar, die mit Jesus am Kreuz starben. Das Gemälde ist bis heute erhalten und gehört zu den besonderen Raritäten der Stadt. Merkwürdigerweise wurde es in der NS-Zeit nicht beanstandet.
Die neue Orgel wurde von der Firma Orgelbau Matz & Luge im Jahre 2010 erbaut.
Auch heute, bei unserem fünften Besuch, treffen wir auf das vertraute Bild des Logel tragenden Winzers. Anlässlich der Ausstellung „2000 Jahre Weinbau“ in Bad Dürkheim im Jahre 1936 schuf der Bildhauer Adolf Bernd dieses Winzerstandbild. Die Skulptur steht zwischen der Ludwigkirche und dem Eingang zum Oberen Kurpark.
 |
Dieser Kurparkbereich, der umgeben von Kurhaus, Kurparkhotel und Ludwigskirche ist, wurde 1847, nach der Ernennung Dürkheims zum Solebad, auf dem Gelände des ehemaligen Leininger Schlosses angelegt.
Die katholische Pfarrkirche St. Ludwig steht direkt neben der Spielbank. 1725 stand hier das Residenzschloss der Grafen von Leiningen, Ab 1816 gehörte die Pfalz zu Bayern, das Schlossgebäude wurde zunächst Rathaus, dann 1936 Kurzentrum. Seit 1949 kann man sein Glück in der Spielbank versuchen: In den Spielsälen im Kurhaus kann man bei Roulette, Black Jack und Automatenspielen gewinnen und verlieren. Wir hatten bei einem unserer Besuche eine interessante Führung durch die Spielsäle.
Wir wollen heute unser Urlaubsgeld nicht in der Spielhalle lassen, sondern gehen zurück in den oberen Kurpark. Hier wurde im Jahr 1909 zu Ehren von Valentin Ostertag und seiner Stiftung der monumentale Valentin-Ostertag-Brunnen erbaut. Die Anlage besteht aus Muschelkalk und Buntsandstein und ist ein Mix aus Historismus, Jugendstil sowie Art Deco. Er schmückt diesen Teil des Kurparks und ist ein beliebtes Fotomotiv.
 |
Wir gehen die Treppen hinunter und stehen im Unteren Kurpark. Hier steht die großflächige Skulptur „Symbol der Freundschaft“. Es ist ein monumentales Kunstwerk aus Stein mit einer kreisförmigen Öffnung. Sie steht als Zeichen der Verbundenheit, in einer blühenden Frühlingswiese.
Gestern und vorgestern viel immer mal wieder ein Frühlingsregen über das Land, doch der heutige Tag brachte einen vollständigen Wandel. Die Sonne kitzelt das Gesicht, die Vögel zwitschern und wir spazieren entspannt durch das sprießende Frühlingsgrün.  Dazwischen steht ein Pfälzer Sandsteinblick mit dem Titel „Sie und Er“. Der polnische Bildhauer Josef Koseda hat dieses Werk im Rahmen eines Symposiums 1990 geschaffen. In der Anfangsphase durften Bürger und Gäste selbst Hand anlegen, so entstand die Skulptur „Sie und Er“. Die beiden aneinander gelehnten Pferdeköpfe symbolisieren des Miteinander und Füreinander von Mann und Frau - ein ewiges Thema in der Kunst.

In den letzten Tagen hat sprießendes Frühlingsgrün das trockene Braun des Winters verdrängt und die Mandel- und Magnolienbäume blühen in verschwenderischer Pracht und verströmen süßen Duft.
Zwischen den noch kahlen Sträuchern und Bäumen haben die Landschaftsgärtner eine verschwenderische Blütenfülle gepflanzt.
Einen Rückzugsort im Kurpark bietet das Kurparkcafé Exquisit. Es bietet eine einladende Atmosphäre und köstliche Kaffespezialitäten und hausgemachten Kuchen im Inneren oder auf der schönen Terrasse. Sie bietet eine mediterrane Atmosphäre mit mehreren Palmen in großen Pflanzgefäßen und Sitzgelegenheiten. Eine hölzerne Pergola überspannt den Bereich und bietet an heißen Tagen teilweise Schatten über den Sitzbereichen.
 |
Durch diesen Parkbereich verlief die Isenach früher unterirdisch. Durch die Offenlegung und Renaturierung des Baches im Jahr 2013 hat der Kurpark eine grundlegende Veränderung und damit eine bedeutende Aufwertung erhalten. Auch die Attraktivität des Kurparks wurde durch diesen leicht plätschernden Bach gesteigert.
Sie fließt heute unter elf Brücken durch und bietet zahlreiche schattige Sitzgelegenheiten unter prächtigen alten Baumriesen. An einer Stelle darf man an der Furt über Fasslagersteine auf die andere Seite hüpfen.
Am Kaskadenbecken bieten Sitzbänke aus Sandstein direkt am Wasser Gelegenheit, die Füße im kühlen Nass zu erfrischen. Bis wir aber wieder in die Sandalen schlüpfen können und unsere Füße ins kühle Nass halten können, braucht es noch ein wenig Geduld.
Am Wasserlauf haben sich auch ein Paar Skulpturen niedergelassen. Der „Fliegende Fisch“ ist eine Skulptur aus Sandstein und steht seit 2014 zwischen der Hochzeits- und Fronmühlbrücke. Er ist auf einem Edelstahlstab kugelgelagert, um so die Drehbarkeit zu ermöglichen. Es scheint ihm nichts auszumachen, statt zu schwimmen, am Ufer zu schweben - Kinder dürfen ihn sogar drehen.
 |
Ein 1 Meter hoher Uhu aus gelbem Pfälzer Sandstein scheint sich auf seinem Platz wohlzufühlen – er lächelt. Er sitzt seit 2015 auf einem Sockel und hat eine Kugel in seinen spitzen, dolchartigen Krallen.
Am Ende des Kurparks steht das Gradierwerk. Mit 333 Metern einer der längsten Salinen in Deutschland. Sie diente ursprünglich zur Gewinnung von Kochsalz aus natürlicher Sole. Nach zwei Bränden in den Jahren 1992 und 2007 präsentiert sich das neu errichtete Gradierwerk seit 9. Okt. 2010 mit Sonnenterrasse und Aussichtsplattform und ist eines der Wahrzeichen der pfälzischen Kur- und Kreisstadt.
 |
In der 333 m langen und bis zu 18 m hohen Anlage sind rund 250.000 Reisigbündel zu Wänden geschichtet. Über diese Reisigwände rieselt Salzwasser aus einer Heilquelle, von dem an heißen Tagen bis zu 25 m³ verdunsten. Wir machen einen sonnigen Spaziergang zwischen Bach und Saline und bekommen dabei eine wohltuende Salznote in die Nase, ohne am Meer entlang zu gehen. Leider hatten die Japanischen Zierkirschen entlang der Saline ihre Blüten noch nicht geöffnet. Diese farbenfrohe Blüte folgt auf die Mandelblüte. Heute sah man leider nur vereinzelt die ersten Blütenknospen. Die Blüte entlang der Saline muss eine Pracht sein.
 |
Gegenüber der Saline steht ein großes Wasserrad, das von der renaturierten Isenach angetrieben wird und an alte Zeiten erinnert. Um die Sole, das salzhaltige unterirdische Wasser auf die Gradierbauten zu pumpen, nutzte man schon vor 300 Jahren die Kraft der Isenach. Entlang des Baches standen damals 5 Wasserräder. Mittels langer Gestände wurde die Kraft auf die Pumpen übertragen. Die bis zu 400 Meter entfernten Pumpen förderten die Sole durch Holzleitungen auf die Gradierbauten. Das heutige Wasserrad ist der damaligen Technik nachempfunden und wurde privat gespendet.
Vom Weg an der Saline schaut man direkt hinauf zum St. Michaelsberg, wo die gleichnamige Michaelskapelle steht. Die ursprüngliche Michaelskapelle stammt aus dem 12. Jahrhundert. Diese wurde 1601 abgerissen und erst 1990 durch eine aus Spenden der Dürkheimer Bürger erbaute neue Kapelle ersetzt.
Auch heute klettern wir entlang blühender Mandelbäume den Hang hinauf, um uns Bad Dürkheim wieder einmal von oben anzusehen. Der Weg nicht ganz einfach, je älter man wird. Steile Wegstücke wechseln ab mit ausgetretenen Treppenpassagen. Aber da der Weg insgesamt recht kurz ist, ist er zu bewältigen.
Der Bad Dürkheimer Michelsberg ist die älteste, 1155 erstmals erwähnte Weinlage der Pfalz und eine exzellente Lage für Rieslinge. Der Michelsberg-Riesling ist bekannt für seine Mineralität, Würze und Langlebigkeit. Als historischer Weinberg mit terrassierten Trockenmauern liegt er auf 150 Metern. Der Panoramaweg führt direkt durch diese Weinbergterrasse. Mehrere Sitzgelegenheiten an der Kapelle und auf dem Weg laden zu einer Pause ein, die wir gern annehmen.
Waren die Bänke an der Kapelle bei unserer Ankunft noch besetzt, haben wir nach unserer Pause nun einen der schönsten Panoramablicke über die Stadt, den Kurpark und das Gradierwerk von der Michelskapelle.

Bevor wir wieder zurück nach Edenkoben fahren gönnen wir uns noch im Dürkheimer Kaffeehaus Le-Cafe, einem Traditionsbetrieb, der seit 25 Jahren fest in Bad Dürkheim verwurzelt ist, ein leckeres Cafégedeck, denn ein Nachmittag ohne Kaffee und Kuchen ist wie ein Himmel ohne Sonne.
nach oben
zurück zu Reiseberichte - Übersicht.
|