Montepulciano
So schön unsere Ferienanlage auch ist, zog es uns an unserem ersten Urlaubstag nach dem Frühstück doch auf eine Erkundungstour nach Montepulciano.
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Nur einige hundert Meter von unserer Ferienanlage genießen wir das Panorama, der auf einem steilen 600 m hohen Tuffsteinhügel thronenden Altstadt.
Da auch am heutigen Sonntag die Supermärkte geöffnet haben, wollen wir erst einmal einen kleinen Lebensmittelvorrat anlegen, bevor wir unseren ersten Stadtbummel in der Toskana beginnen.
Gleich in der Nähe des Supermarktes finden wir einen kostenfreien Parkplatz und lassen nach unserem Einkauf, den wir in die Kühltasche verstaut haben, unser Auto gleich hier stehen. Nach ein paar Metern merken wir, von nun an geht es nur noch steil bergauf.
Unterhalb der Stadtmauern besichtigen wir erst einmal die Kirche Sant´Agnese. Die Heilige Agnes ist die Schutzpatronin von Montepulciano und gründete hier 1306 ein Kloster.
Unser Weg führt uns durch den kleinen Park Poggiofanti, und bevor wir den alten Stadtkern betreten, sehen wir bereits die Kirche Sant´Agostino, die über den Stadtmauern herausragt.
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Durch die Porta al Prato, einem im 14. Jahrhundert erbauten Eingangstor, welches mit dem toskanischen Wappen und den Florentiner Löwen geschmückt ist, betreten wir nun den ummauerten Altstadtbereich.
Eine leicht gewundene und ansteigende Straße führt uns, innerhalb seiner alten, trutzigen Stadtmauern, vorbei an einigen schönen Palästen, in deren Untergeschossen uns der Vino Nobile di Montepulciano, einer der bekanntesten Rotweine Italiens, in verschiedenen Weinhandlungen zum Probieren und Kaufen angeboten wird.
Wir besteigen weiter das steile Dörfchen, bis wir auf der Piazza Michelozzo vor der eleganten Fassade der Kirche Sant´Agostino stehen.
Das Innere der Kirche beherbergt auf dem Hochaltar ein Holzkruzifix aus dem 15. Jahrhundert sowie Gemälde aus dem 16. und 17. Jahrhundert.
Der Kirche gegenüber steht der mittelalterliche Wohnturm Torre di Pulcinella – Uhrenturm -. Hier schlägt eine weiß gekleidete, maskierte Pulcinella-Figur aus der „Commedia dell´ arte“ die Stunden.
Vorbei an kleinen Souvenirgeschäften geht es weiter auf schmalen, steilen Straßen und dabei durchqueren wir das Porta della Cavina, ein antikes Tor aus dem Jahre 1157.
Enge Gässchen mit mächtigen Palästen, die heute längst Miethäuser geworden sind sowie schöne Lokale prägen das Stadtbild bei unserem weiteren Weg bis zur Spitze.
Doch auch einige weitere Kirchen liegen am Weg.
An der Via Saffi gehen wir vorbei an der Barockkirche Santa Lucia, in deren Inneren das Tafelbild der „Madonna della Misericordia“ zu sehen ist.
Nach gut einer halber Strecke kommen wir zum Palazzo Benincasa und der Kirche San Francesco. Von der kleinen Piazza neben der Kirche haben wir einen wunderbaren Blick auf die Umgebung von Montepulciano.
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Wir sehen von hier oben auf die alten Ziegeldächer der Stadt und der Kirche San Biagio, bis hinunter auf das Chiana- und das Orcia-Tal.
Der Reiz der steilen Straßen hat uns gepackt und so klettern wir weiter bis zur Domplatz Piazza Grande, der als Zentrum der Stadt gilt.
Dieser Platz ist der Hauptgrund, warum Montepulciano als "Perle des 16. Jahrhunderts" bekannt ist und der steile Aufstieg von allen Touristen bewältigt wird.
Sie markiert gleichzeitig nach ca. 1,5 km den höchsten Punkt des Ortes. Diese Piazza wird von imposanten Renaissancepalästen umstellt. Der wuchtige Palazzo Comunale ist der Blickfang dieses Platzes. Er erinnert mit dem zinnenbesetzten Wehrgang und dem Turm mit seinem Aufsatz an den Florentiner Palazzo Vecchio und dient seit jeher der Stadt als Rathaus.
oben: Piazza Grande mit Palazzo del Capitano links, Palazzo Nobili-Tarugi mitte und ganz rechts Palazzo Contucci
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unten: Piazza Grande mit Dom, Palazzo Comunale und Palazzo Nobili-Tarugi
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Weitere sehenswerte Gebäude sind der Palazzo Cantucci, Palazzo del Capitano del Popolo aus dem 14. Jahrhundert (heute das Gericht), Palazzo dei Nobili sowie dem eher bescheidenen Dom aus dem 16. Jahrhundert.
Der Bischof von Chiusi, der 1561 seinen Bischofssitz vom damaligen versumpften und malariaverseuchten Chiana-Tal nach Montepulciano verlegte, ließ hier die alte Pieve Santa Maria durch einen repräsentativeren Bau ersetzen. Die Backsteinfassade wurde jedoch bis heute nie richtig fertiggestellt. Im Innenraum befinden sich unzählige Kunstwerke. Den Hauptaltar säumen die Statuen „Glaube“ und „Weisheit“.
Sehenswert ist noch der schöne Brunnen auf der Piazza Grande, der 1520 entstand.
Löwen halten hier das Medici-Wappen auf dem von zwei toscanischen Säulen getragenen Gebälk.
Die schöne Außengastronomie auf der Piazza, eingerahmt von bunten Blumenkübeln, beendete durch den verführerischen Duft von Kaffee unsere Stadtbesichtigung. Für den ersten Tag war es genug Kultur, jetzt genießen wir das „Dolce Vita“ in diesem Straßencafe mit Blick auf die berühmte Piazza Grande. Nach einer entspannten Pause mussten wir jedoch noch die 1,5 km durch die abschüssigen und verwinkelten Gassen wieder zurück zu unserem Auto. Zum weiteren Regenerieren nahmen wir uns noch eine Flasche des Vino Nobele für den Abend mit.
Bei einem weiteren Bummel durch Montepulciano stellten wir unser Auto auf einem anderen freien Parkplatz unterhalb der Stadtmauern ab. Von dort kletterten wir hoch zur Kirche S. Maria die Servi, die außerhalb der Staudtmauern liegt.
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Noch einige Meter höher liegt die Porta di San Donato. Durch dieses Tor betreten wir heute den Altstadtbereich und sehen rechts neben uns die 1880 neu erbaute Festung.
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Nach einem Rundgang durch die Anlage zieht es uns auf einem fast ebenen Weg wieder auf die Piazza Grande. Wenn wir schon in einem weltbekannten Weinort Urlaub machen, ist der Besuch eines Weinkellers schon ein Pflichtprogramm. Montepulciano ist bekannt für seine delikaten Weine. Die alten historischen Weinkeller mit ihren verwinkelten Gewölben unter der Stadt laden zur Besichtigung ein. Die Weinkeller der Cantina del Redi im "Palazzo Ricci", in einem der schönsten Renaissancepaläste in Montepulciano, wollten wir heute besichtigen. Die Gratis-Besichtigung des Weinkellers ist während der üblichen Öffnungszeiten möglich, trotzdem schlossen wir uns einer deutschen Reisegruppe an und stiegen vom Innenhof des Palazzo Ricci die Stufen hinab zu dem historischen Weinkeller. Der Wein reift hier unter den tonreichen Böden Montepulcianos bei gleichbleibender Temperatur und idealer Luftfeuchtigkeit.
Durch die Stadtführerin der Reisegruppe erhielten wir zzgl. zu dem Rundgang noch eine eindrucksvolle Information der jahrhundertealten Winzerkultur.
Montepulciano ist eine der bekanntesten Weinstädte der Welt und der hier hergestellte rubinrote Vino Nobile ist ein Top-Produkt und weit über die Grenzen der Stadt berühmt. Der bei uns oft angebotene Montepulciano d´Abruzzo ist dagegen bedeutend minderwertiger.
Montepulciano verwöhnt seine Besucher nicht nur mit einem wunderschönen Stadtbild und erlesenen Weinen, sondern auch mit kulinarischen Genüssen. Einen hervorragenden Ruf genießen auch die Wildschweingerichte des Ortes, was eines der unzähligen Restaurants an diesem Abend für uns unter Beweis stellen konnte.
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Bei weiteren Besuchen in der Stadt stellten wir fest, dass die Fußgängerzone bis zur Porta della Cavina in den frühen Abendstunden noch recht belebt war und auch die zahlreichen Geschäfte noch besucht wurden, dagegen ist es an der „Piazza Grande“ um das imposante Rathaus und dem Dom schon sehr ruhig geworden, denn die Massen der Bustouristen sind bereits wieder auf dem Rückweg zum Parkplatz.
Von den Gästen, die genau wie wir zum Abendessen kommen, scheuen sicherlich viele, genau wie wir, für ein Essen den langen und steilen Aufstieg. Doch mit der Wahl der Restaurants hatten wir im unteren Teil der Stadt immer Glück. Auf den Speisekarten gab es immer wieder leckere Gerichte, jenseits von Pasta und Pizza, denn die konnten wir uns in der Ferienwohnung kostengünstiger selbst zubereiten.
In Italien gibt es in den Restaurants ganz selten ein Komplettgericht – einem Teller mit Fleisch, Kartoffel, Gemüse und Salat -. Hier muss man die Beilagen und den Salat extra zum Fleisch bestellen und so kommen schnell für ein leckeres Essen 25,00 € und mehr zusammen. Außerdem findet man auf jeder Rechnung einen Betrag „Coperto“ von meist ca. 3,00 €/p.P., das eine landestypische Besonderheit in Italien ist. Es ist ein Zuschlag für „Gedeck und Brot“ und muss bei jedem noch so kleinen Essen einfach einkalkuliert werden.
Nicht nur der Altstadtkern hat viele schöne Sehenswürdigkeiten zu bieten, sondern ca. 2 km vom Ortszentrum von Montepulciano entfernt, unterhalb der Stadtbefestigung, liegt eindrucksvoll auf freiem Feld am Ende einer Zypressenallee die Kirche Madonna di San Biagio. Sie wurde 1545 als Wallfahrtskirche für ein Madonnenbild erbaut, das in den Ruinen einer alten geweihten Kirche erhalten geblieben war. Die Kirche ist über dem Grundriss eines griechischen Kreuzes errichtet und hat eine sehr markante Kuppel.
Die Eingangsportale sind von massiven Dreiecksgiebeln gekrönt. Der aus goldgelbem Travertin errichtete Bau ist nicht nur von außen interessant. Im kreuzförmigen Innenraum befinden sich Fresken aus dem 16. Jahrhundert und ein Marmoraltar. Eine aus dem 18 Jahrhundert stammende Orgel wurde sorgfältig restauriert. Auch das gegenüberliegende Priesterhaus und der Brunnen gehen auf einen Entwurf von Antonio da Sangalla zurück, der dieses beeindruckende Kirchengebäude schuf.
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